Chiara Canali

Anna Lisa Ghirardi

Marco Forni

Peter Demetz

Die schmalen und entmaterialisierten Skulpturen Gerald Moroders bestehen aus dem roten Porphyrgestein der Raschötzalm, an deren Hängen St. Ulrich liegt. In dieser seiner Suche werden die Werkstoffe der Erde in den Vordergrund gestellt, aufgrund ihrer noch heilen Kraft des Zusammenstoßes mit dem Abbild der Realität und des zeitgenössischen Menschen beinahe privilegiert.
Durchdrungen von den Stimmungen, die man in der produktiven Natur seiner Existenz sammeln kann, will der Bildhauer mit der Erde, dem Stein und der Holzmasse jedes Mal eine andere Erfahrung machen. Durch diese antiken Werkstoffe beharrt er darauf, eine Konfiguration zu suchen, die dem Sinn eines Bruchs mit der Welt, oder einer Verletzung, oder einem Riss mit dem Existierenden entspricht, die durch eine Umarmung aufzufüllen sind. Das Wichtige für den Künstler ist, sich nicht von dem Wunsch, Mutter Erde anzugehören, in ihr Magma hinab zu steigen und wieder bis in den Himmel aufzusteigen, ausgeschlossen zu fühlen, und dabei das Werk von der irdischen Unreinheit zur himmlischen Reinheit, und dem entgegengesetzt von der Reinheit der Idee zur Unreinheit der Sprache zu bringen
Die vom Künstler geformten mageren und langgliedrigen Figuren sind in einem ideellen Strudel in Sequenz dargestellte Einzelbilder der aufeinanderfolgenden Phasen körperlicher Entmaterialisierung. Dieser Mensch versucht eine Form der Leichtigkeit, der Auflösung und der Unberührbarkeit des Daseins zu erreichen. Die Zertrümmerung der Materie widersetzt sich den Gesetzen der Schwerkraft. Die Drehung des Körpers reflektiert sich in einem Taumel nach oben, ein Abbild des Strebens zu einem höheren Wesen.

Chiara Canali
2011

Und sie bewegen sich vorsichtig zwischen Erde und Ätherischem


Das Werk von Gerald Moroder ist von einer vitalen Spannung und einem tief verwurzelten Sehnen gekennzeichnet. Seine menschlichen Figuren, hager und auf eine essentielle Form reduziert, strecken sich zu einem anderen Ort, zu einem Anderswo hin, auf der Suche nach einem Weg, einer Offenbarung. Es sind Darstellungen der menschlichen Essenz, Figuren ohne räumliche oder zeitliche Bindung.

Anna Lisa Ghirardi
2017

Der Mensch. Seine spirituelle Essenz.


Eine Frage durchdringt Geralds Arbeit: Was befindet sich vor der greifbaren Materialität?
Es scheint, als wolle er die rationale Schwelle des hic et nunc überschreiten, um sich von der Irrationalität leiten zu lassen. Sich mit dem arché, dem Grundprinzip, wieder zu vereinigen, ist eine Art geheime Notwendigkeit.
Es ist ein Entfernen vom Gegenständlichen, vom Alltäglichen, um ins eigene Innere zu kehren, um mentale Zustände zu entdecken und zu erleben. Nach und nach, während des Schöpfungsprozesses, offenbart sich ein Wille zur Wiederkehr. Die Annäherung an eine Idee, die sich allmählich verwandelt, um unter den Augen und Händen des Künstlers umgesetzt zu werden. Eine Idee, die unweigerlich auch zu etwas Anderem wird, während sie eine äußere Gestalt annimmt.
Die Formen des Körpers, übertragen auf eine Skulptur, sind die greifbare Übersetzung einer inneren Entwicklung. Gerald erlaubt es sich, sich dem Alltag zu entfremden. Er ist bereit, in sein Inneres zu blicken und Fragmenten von Emotionen, die im eigenen Inneren leben, Körper zu geben.

Marco Forni
2016

Die Werke eines jeden Künstlers, so heißt es, reflektieren den Autor selbst.
Es heißt, man erkenne in den Werken die Persönlichkeit eines Künstlers.
Nun, ich kenne Gerald doch sehr gut … seine Figuren sind ja oft Suchende, aber in meinen Augen ist Gerald jemand der gefunden hat. Seine Skulpturen sind oft Fragende, Gerald scheint mir aber Antworten zu kennen. Seine Menschen suchen oft das Gleichgewicht, … er scheint mir aber ausgeglichen! Aber es ist doch so: wer im Gleichgewicht ist, darf nicht aufhören zu balancieren. Wer Antworten hat, darf trotzdem nicht aufhören zu fragen. Wer gefunden hat, darf auch nicht aufhören zu suchen.
So gesehen … ja, die Arbeiten widerspiegeln den Künstler!

Peter Demetz
2019